Infostände auf dem Kirchentag 2017 in Berlin in der Messe der Möglichkeiten

Best Practice: Info­stände mit dem gewissen Etwas

Was Sie vom Kirchentag lernen können für Ihren nächsten Ausstel­lungs- oder Infostand

Der Kirchentag brachte wieder eine Fülle von Eindrü­cken mit sich. Auch schuld daran: die Messe im Markt. Ganze acht Hallen voller Info­stände — von der Kirchen­ge­werk­schaft hin bis zum Zeit­schrif­ten­verlag. Viel Input – und viele gute Ideen, von denen man sich einiges abschauen kann für den nächsten eigenen Infostand, z. B. auf dem Stadt­teil­fest, bei der Präsen­ta­tion des Bauvor­ha­bens oder oder oder…

In einem vorher­ge­henden Artikel haben wir Ihnen bereits 10 x A(ha)-Faktoren aufge­listet, die einen guten Ausstel­lungs­stand gelingen lassen. Auf dem Kirchentag haben wir uns zudem umgesehen und beste Beispiele gesucht, von denen Sie ganz einfach gelungene Ideen in Ihren nächsten Infostand inte­grieren können.

Daraus ist nun eine ganze Serie entstanden, die wir in den nächsten Wochen an dieser Stelle fort­führen werden. Dabei werden wir vom Groben ins Feine vorgehen – und beginnen direkt mit zwei weiteren A(ha)-Faktoren:

  • die Absicht
  • und die Aufma­chung.

Wie bei einem Fahrzeug sind diese Gedanken wichtig, um Ihren Infor­ma­ti­ons­stand gut zu konzi­pieren – denn, wenn Sie zu Anfang schon die richtige Richtung anpeilen, sparen Sie sich hinten raus viele Kurs­kor­rek­turen auf dem Weg zum Erfolg. Und dieser beginnt schon, bevor Sie auch nur das erste Design entwerfen…

Absicht – welches Ziel hat der Infostand?

Aus Fehlern wird man klug – und aus Fehler anderer manchmal auch ohne eigenen Schaden. Wenn Sie diesem Blog bereits länger folgen, dann wissen Sie, dass uns hier an einem chan­cen­ori­en­tierten, positiven Tonfall gelegen ist. Bei manchen Ausstel­lungs­ständen, die wir auf dem Kirchentag sahen, fällt uns das jedoch etwas schwierig. Gleich­zeitig kann man hier am Nega­tiv­bei­spiel viel für einen eigenen Infostand lernen.

In Berlin runzelte man so manches Mal die Stirn, warum ein Stand seine Zelte auf dem Kirchentag aufge­schlagen hatte. Zum Beispiel von nord­ame­ri­ka­ni­schen Kirchen. Die Frage nach dem Warum konnten selbst die Stand­damen nicht beant­worten. Warum hat man einen trans­at­lan­ti­schen Flug zurück­ge­legt, einen Stand konzi­piert und aufgebaut sowie Give-Aways produ­ziert? Sollen die Menschen in die USA Reisen und dort Mitglied werden? Offen­sicht­lich nicht.

Mit welcher Absicht warb man also für seinen US-ameri­ka­ni­schen Kirchen­ver­band? Wir könnten es ja voll und ganz verstehen, wenn Förder­mit­glied­schaften oder Unter­stüt­zung von Missi­ons­pro­jekten im Zentrum gestanden hätten — doch Fehl­an­zeige. Nichts derglei­chen war vorhanden.

Hieran lässt sich eines sehr deutlich erkennen: ohne klares Ziel kann man auch nichts erreichen. Und da Kirchen­steuern und Spen­den­gelder zu wertvoll sind, um sie durch spontanen Aktio­nismus zu verpul­vern, sollten Sie sich ganz zu Anfang Ihrer Planungen eine elemen­tare Frage stellen: was soll der Infostand erreichen?

Du siehst mich – was Sie vom Kirchentag lernen können

Bevor Sie einen Stand planen, legen Sie fest, was das Ziel sein soll. Am Besten nach den allseits bekannten SMART-Kriterien. Und defi­nieren Sie dabei am besten nicht mehr als drei Ziele. Viel­leicht reicht auch schon die einfache Fest­le­gung in jeweils ein Haupt- und ein Nebenziel.

Und dann denken Sie von dort aus rückwärts: was muss ihr Stand leisten, damit er Sie zum Ziel führt?

Mögliche Ziele könnten sein:

  • Reich­weite (Ausbau der Bekannt­schaft)
  • Gewinnung von Mitglie­dern, Spendern, Unter­stützer oder Kunden
  • Aufklä­rungs- und Präven­ti­ons­ar­beit
  • Sammlung von Unter­schriften
  • Ausbau des eigenen Netzwerks
  • Gewinnung von Kontakt­daten

Wichtig ist hier auch die “Art” ihres Ziels:

Es gibt Stände, die natur­gemäß keine erfolg­rei­chen “Abschlüsse” erzielen werden. So wird sich niemand für eine Hoch­schule auf einer Messe anmelden. Das Ziel des Standes entspräche im konkreten eher einem Zwischen­ziel, nämlich der Zusendung ausführ­li­chen Info­ma­te­rials plus einer Kontakt­adresse für weitere Infor­ma­tionen.

Eine Menschen­rechts­or­ga­ni­sa­tion hingegen kann jedoch schnell Unter­schriften sammeln – und danach evtl. sogar einen Mitglieds­an­trag vorschlagen (Prim­ärziel wäre hier natürlich Mitglie­der­wer­bung, Sekund­är­ziel Kontakt­daten, Terti­ärziel Unter­schrif­ten­ak­tion – jedoch macht der umge­kehrte Aufbau Sinn für die “Über­re­dung”).

Ein Beispiel zur Illus­tra­tion

Da das Beispiel so schön naheliegt, einige Beispiel­hafte Über­le­gungen für uns, telos commu­ni­ca­tion (denn telos ist altgrie­chisch für Ziel).

Wir müssten auf dem Kirchentag wohl um die 3000€ bezahlen für einen Stand – also möchten wir auch einen ganz klaren Nutzen. Sprich (poten­ti­elle) Kunden oder Bekanntheit/Reichweite. Da Bekannt­heit bzw. Reich­weite für sich alleine noch nicht die Inves­ti­tion von 3000€ wett macht, wäre unser Hauptziel wohl, neue Kunden zu gewinnen und sekundär Reich­weite zu erzielen. Das würde auch unseren Stand beein­flussen. Wir würden uns fragen müssen, wie kriegen wir die Passanten dazu, über eine Geschäfts­be­zie­hung nach­zu­denken?

  1. Indem wir kurz und knapp unsere Wett­be­werbs­vor­teile und unser Allein­stel­lungs­merkmal kommu­ni­zieren (siehe mehr dazu unten)
  2. Den poten­ti­ellen Inter­es­senten ein Stück entge­gen­kommen (kosten­freie Live-Analysen anbieten, kosten­lose Angebote oder Entwürfe offe­rieren, Preis­nach­lässe (“Messerabat”) etc.) um dann
  3. Kontakt­daten zu erhalten, die dabei helfen zukünftig Kontakt aufnehmen zu können (kennen Sie aus dem Internet mit News­let­tern…)

Besonders Kontakt­adressen können wichtig sein, um in Zukunft stetig Infor­ma­tionen senden zu können und die Kontakt­fläche mit Ihren Inhalten deutlich zu erhöhen. Deshalb ein Tipp für Sie: egal was Sie anbieten, lassen Sie Kontakt­mög­lich­keiten nicht an sich vorüber­ziehen! Diese ermög­li­chen es Ihnen, Ihre Inhalte nicht nur innerhalb der fünf Messe-Minuten zu senden – die sich danach im Gedächtnis gegen all die anderen Eindrücke behaupten müssen. Vielmehr können Sie bei gewon­nenen Kontakt­mög­lich­keiten auch in aller Ruhe danach Ihre Botschaft plat­zieren. Eine E-Mail-Liste ist zum Beispiel ein guter Anfang dafür.

Nach diesen Über­le­gungen und dem Festlegen von Zielen, sollten Sie zur Gestal­tung Ihres Info­st­andes voran­schreiten. Und dabei können Sie viel von gelun­genen Beispielen im Markt der Möglich­keiten abschauen.

Aufma­chung – lassen Sie die Gestal­tung ihrem Ziel dienen

Eine Beob­ach­tung, die auf den ersten Blick paradox anmutet:

  • Es gab Stände, die waren sehr gut designed oder hatten wunderbar gestal­tete Mate­ria­lien, diese hatten jedoch wenig Aussage und kein erkenn­bares Ziel.
  • Andere Stände hingegen mochten durchaus verbes­se­rungs­würdig gestaltet sein, konnten aber durch ein klares Ziel oder eine Aktion punkten.

Welche waren erfolg­rei­cher? Ganz klar letztere!

Was das für Sie bedeutet: Aktion, Witz und Ziel stechen die Gestal­tung aus. Idea­ler­weise ergänzen sich hingegen beide. Eine gute Aktion und ein klares Ziel sind jedoch deutlich stärkere Erfolgs­fak­toren! (dazu mehr im nächsten Teil unserer Serie zu Infor­ma­ti­ons­ständen).

Was sollten Sie also beachten, damit Ihr Infostand nicht nur ein klares Ziel und eine gute Idee hat, sondern dies auch noch auf den ersten Blick kommu­ni­ziert?

Du siehst mich – was Sie vom Kirchentag lernen können

Zu allererst: Achten Sie bei der Gestal­tung darauf, dass auch ein Zwölf­jäh­riger mit einge­schränkter Sicht auf den ersten Blick verstehen kann, worum es geht.

Das Beispiel unseres eigenen alten Info­st­andes illus­triert Ihnen diese Gestal­tungs­regel:

Infostand telos communication auf dem cologne business day
Einer unserer Messe­stände (2016)

Neben Logo und Agentur-Namen (telos commu­ni­ca­tion) führen wir immer sofort “Ziel­füh­rende Kommu­ni­ka­tion” auf – und flan­kieren mit zwei Icons, die auch noch erläutert werden: für Kirche sowie für Non-Profit. Damit setzen wir eine erste Botschaft, die nahezu jeder Vorbei­ge­hende verstehen kann.

Weitere Inhalte sind erst wichtig, wenn sich jemand nähert: Allein­stel­lungs­merkmal (“Wir legen als ausge­bil­dete Theologen Wert auf wert­hal­tige und hoch­wer­tige Kommu­ni­ka­tion”), Wett­be­werbs­vor­teil (“schlanke, maßvolle Struk­turen sorgen dafür, dass Sie bei uns mit Ihrem Budget 20% mehr erhalten”), Call to Action (“Machen Sie einen kosten­losen Testlauf”/Messerabatt, kosten­lose Analyse der Werbe­mittel oder ähnliches) . Dies können wir einer­seits auf Roll-Ups, Plakaten und Flyern darstellen – als auch im persön­li­chen Gespräch. Idea­ler­weise lädt aber schon die Gestal­tung des Standes dazu ein, sich Info­ma­te­rial mitzu­nehmen.

Was heißt das für Sie?

Was ist Ihr Ziel? Wie sollen die Flanie­renden im Idealfall an ihrem Stand agieren? Die Gestal­tung muss diesem Ziel dienen! Das weiß auch ein guter Grafiker. Ein Mittel­mä­ßiger wird Ihnen einen ästhe­ti­schen Stand produ­zieren, der jedoch nicht Ihrer Sache dient — und im schlimmsten Fall zudem durch die Verwen­dung von Groß­buch­staben und Zeilen­um­brü­chen eher dem Lesefluss (und damit der Infor­ma­ti­ons­wahr­neh­mung) schadet! Dies ist ein aktueller Trend, dem Sie nicht aufsitzen sollten! Skeptisch? Testen Sie es! Helfen Ihnen diese beiden (schön gesetzten) Wörter beim schnellen Verstehen?

ein Negativbeispiel schlechten guten Designs
Schön – aber steht der gelin­genden Kommu­ni­ka­tion im Weg!

 

Ansprechendes Design, verminderter Kommunicationserfolg
Anspre­chendes Design – das aber den Weg zum Verständnis versperrt

 

Und? Helfen Ihnen die ach so trendigen, deko­ra­tiven Zeilen­um­brüche – oder behindern Sie eher den kommu­ni­ka­tiven Erfolg?

Sie jedoch wollen auf der Messe erfolg­reich sein — schließ­lich machen Sie sich ja auch die viele Mühe! Ein Messe­stand sollte daher wie ein gutes Werkzeug sein, und nicht wie ein Stück Kunst, das zwar viel­leicht gut aussieht, aber schwer in der Hand liegt und Sie auch nicht die Tätigkeit tun lässt, die sie damit gerne verrichten würden. Werkzeuge bestechen dadurch, dass sie zuerst einmal ihre Funktion erfüllen, dazu noch lange haltbar sind und im Idealfall noch komfor­tabel. Wenn sie dann noch gut aussehen — perfekt! Denn Sie machen ja keinen Infostand, um gut auszu­sehen, sondern um etwas zu erreichen. Form follows function!

Und auch davon gab es auf auf dem Kirchentag einiges zu sehen. Hier ein paar Beispiele gelun­gener Gestal­tung!

Ein gelungener Ausstellungsstand auf dem DEKT 2017
Ein einfacher Stand, der sofort verstehen lässt, worum es geht. Zudem laden die Sitz­mög­lich­keiten direkt ein (zwischen­drin wurde Musik vorge­tragen)

 

Infostand DRadio Kultur auf dem Kirchentag 2017
Einfach, direkt, verständ­lich. Der Deutsch­land­funk macht es vor!

 

Der Infostand des Theologischen Studienzentrums Berlin auf dem Kirchentag 2017
Mit so wenig kann man so viel sagen!

 

Der Infostand des Theologischen Studienzentrums Berlin
Ein klares, mutiges Statement – hübsch aufge­macht – und Sie wissen direkt woran Sie sind.

Also: Absicht und Aufma­chung – zwei weitere A(ha)-Faktoren für Ihren nächsten Ausstel­lungs- und Infostand. Wenn Sie dies von Anfang an im Blick behalten, haben Sie schon einen großen Schritt in Richtung erfolg­rei­chem Infostand getan. Um das Fein­tu­ning kümmern wir uns in den nächsten Beiträgen dieser Serie.
Zur Unter­stüt­zung hier schon einmal der erste Teil der Check­liste für einen gelun­genen Infor­ma­ti­ons­stand:

Check­liste für Ihren nächsten Infostand

  • Welches Ziel möchten Sie erreichen? (Haupt- und neben­säch­lich)
  • Welchen Zweck muss Ihr Stand dafür erfüllen?
  • Wie kann die Gestal­tung diesem Zweck dienen?
  • Welchen A(ha)-Effekt müssen Sie besonders beachten?

 

Die nächsten Beiträge der Serie

 


Bild­rechte: Tim Allgaier

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