Seit vergangenem Wochenende ist eingetreten, was vor wenigen Tagen noch als undenkbar wirkte: Versammlungen zum Gottesdienst sind quasi deutschlandweit verboten.

Gerade in Zeiten der Verunsicherung und des (sinnvollen) persönlichen Distanzierens entfällt somit das zentrale seelsorgerische und gemeinschaftsstiftende Medium der Kirche.

Wie also weiter machen?

Gottesdienst streamen?
Andachten uploaden?
Whatsapp-Gottesdienste feiern?

Wir denken: Machen Sie es den Menschen maximal einfach, Ihre Angebote auch digital wahrzunehmen.

Deshalb erwartet Sie hier:

  • eine prägnante theologische Einordnung
  • Entscheidungshilfen aus der Praxis einer ortsunabhängig agierenden Agentur
  • einfache Anleitungen
  • Übersichten, was benötigt wird

Wenn die Leute nicht zum Gottesdienst kommen können – sollte dann nicht der Gottesdienst zu ihnen kommen?

Schon vor Corona war klar: Wir müssen den pastoralen Auftrag der Kirche auch digital denken.

In Zeiten von Social Distancing und dem Verbot von Gottestdiensten sind wir nun sogar dazu gezwungen.

Denn wie sollen wir unseren pastoralen Dienst ausüben, den wir bisher vor allem ortsgebunden interpretiert haben, wenn die Menschen nicht mehr an diesen Ort kommen dürfen?

In den aktuellen Zeiten ist die digitale Welt nicht mehr nur eine wesentliche Dimension des Miteinanders – es ist die zentrale Drehscheibe für Kontakt geworden.

Und vielleicht sogar noch mehr:

Es ist die Hauptschlagader für das kirchliche Leben in einer Infektionskrise.

Daher der dringende Appel: Lassen Sie Ihre Gottesdienste nicht ausfallen – sondern sorgen Sie lieber dafür, dass Menschen unkompliziert Zugang finden können.

Am einfachsten geht das über einen Video-Stream im Internet.

Doch was müssen Sie dabei beachten?

Zentrale Vorüberlegungen

Streamen – oder nicht lieber doch auf Chat setzen?

In den eingängigen Gruppen auf Facebook erleben wir gerade, dass einige zentrale Personen Chatprogramme und Social Media Kanäle als Ausweichort für Gottesdienst anpreisen.

Oftmals scheint dies eher der persönlichen Präferenz geschuldet zu sein als einer abwägenden, strategisch-pastoralen Entscheidung.

Aus drei Gründen:

  1. Solche Überlegungen setzten voraus, das die Menschen einen Account im jeweiligen Sozialen Netzwerk haben
  2. Hat ein Gottesdienst in Textform weniger Aufforderungscharakter als ein Stream. Letzterer entspricht auch mehr der Gewohnheit (siehe Fernsehgottesdienst).
  3. Oftmals liest man auch die Empfehlung eines Twitter-Gottesdienstes. Jedoch lässt sich bei Twitter die Verbreitung in Deutschland kaum noch verlässlich in Prozentzahlen festzustellen. Hier liegt der statistische Fehler höher als der wahrscheinliche Nutzeranteil…. (vor zwei Jahren lag die Verbreitung von Twitter bei 3%…).

Oder andersherum gefragt: Können Sie sich vorstellen, wie Oma Gertrud beständig ihr „Amen“ in eine WhatsApp-Gruppe nach jeder virtuell-liturgischen Handlung schreibt? Zusammen mit all den anderen Personen, die sonst jeden Sonntag in den Reihen sitzen?

Die Menschen sind visuelle Wesen und konsumieren Inhalte bevorzugt folglich visuell. (Die Kanzlerin hat ja auch eine Videoansprache veröffentlicht und nicht einfach nur eine weitere Pressemitteilung…).

Natürlich hat das Video auch Nachteile gegenüber dem Chat oder Social Media: Es ist nicht interaktiv. (Aber ist das Ihr Gottesdienst sonst auch?)

Trotzdem bleibt ein Gottesdienst in Chat-/Textform allein durch die Wahl der Mittel ein Flaschenhals. Und Flaschenhälse sollte man in normalen Zeiten schon vermeiden, wenn man erfolgreich kommunizieren möchte…

Gottesdienst streamen – live oder aufgezeichnet?

Um Ihre „Schäfchen“ mit geistlichen Inhalten zu erreichen, sollten Sie auf die visuelle Ebene setzten: den Gottesdienst streamen. (Was das für eine Form von Gottesdienst wird, ist erstmal eine ganz andere Frage…siehe weiter unten)

Bleibt noch die Frage, ob live oder aufgezeichnet?

Die Vorteile von aufgezeichnet sind klar:

  • Sie können mehrmals beginnen, falls etwas nicht klappt
  • Fehler können einfach herausgeschnitten werden
  • Man kann aus mehreren Perspektiven filmen und so für Abwechslung sorgen

Gleichzeitig bleibt es eben eine Aufzeichnung. Und denen hängt schon etwas konservenhaftes an. Warum sollte man sich ein Geschehen, welches eigentlich live stattfindet, nicht-live anschauen?

Deshalb wäre es an dieser Stelle ratsam, vielleicht dann eher auf Video-Andachten aus dem Kirchraum zu setzen. Diese taugen sehr gut als Aufzeichnung.

Soll es sich aber mehr oder weniger um ein gottesdienstliches Geschehen handeln, setzen Sie lieber auf den Live-Stream. Großer Vorteil hier: Bei Portalen wie YouTube kann man diesen ebenfalls aufzeichnen – und so hinterher auch zugänglich machen für die Menschen, welche nicht teilnehmen konnten.

Nach welchem Kriterium soll ich Technik/ Tool/Soziales Netzwerk auswählen

Zuerst einmal: damit möglichst viele Menschen daran teilnehmen können, sollte die Lösung maximal einfach zugänglich sein.

Jetzt ist nicht die Stunde, um technische Spielereien auszuprobieren, welche besonders dem Datenschutz- oder EDV-Beauftragten gefallen. Sondern möglichst vielen Menschen unkompliziert Zugang zu den Gottesdiensten zu ermöglichen.

Sie sollten deshalb vor allem drei Punkte in den Blick nehmen:

Infografik Gottesdienst Streamen Zugänglichkeit Zuverlässigkeit Einfachheit

Was bedeutet das konkret?

Sie sollten…

  1. auf verbreitete Software setzen statt auf Spezial-Lösungen. Gängige Softwarelösungen funktionieren bei den meisten Browsern, Smartphones etc.. Das tun Spezialprogramme erfahrungsgemäß nicht.
  2. auf Reichweite achten. Wenn Soziales Netzwerk (wie ein Live-Stream via Facebook), dann wählen Sie ein reichweitenstarkes Network. Z.B. ist eine Lösung wie Twitch rein auf das Streamen spezialisiert, dürfte jedoch nicht den Punkt Zugänglichkeit erfüllen. Also lieber auf die Reichweiten-starken Medien setzen: WhatsApp, Facebook, Instagram, YouTube.
  3. Nutzerfreundlichkeit bedenken. Als weiteren Faktor sollte man bedenken, wie aufwändig und kompliziert die Software das Erstellen von Livestreams macht. Hier gilt: Einfach schlägt kompliziert. Nur was einfach funktioniert, wird erfahrungsgemäß auch konstant umgesetzt.
  4. Zugangshürden von Anfang an umgehen. Nutzer sollten sich nichts herunterladen oder sich irgendwo anmelden müssen. Solche Flaschenhälse gilt es von Anfang an zu umschiffen. Noch einmal: So vielen Menschen wie möglich soll so einfach wie möglich Zugang gewährt werden.

Kombiniert man diese Faktoren, bleibt eigentlich nur noch eine stimmige Möglichkeit übrig…

YouTube.

Denn die Plattform ist

  • maximal offen für „normale“, nicht eingeloggte Surfer. (Zugänglichkeit)
  • ist als Ort für Video weithin akzeptiert und hat ihren „Sitz im Leben“
  • sehr benutzerfreundlich beim Erstellen eines Streams (Einfachheit)
  • sehr belastbar, durch starke Ressourcen im Hintergrund (Stabilität)
  • funktioniert auf so ziemlich jedem Betriebssystem, Browser etc. (es gibt sogar Apps für Tablets, AppleTV, Googles ChromeCast etc…) (Zugänglichkeit)

Wichtig: Da YouTube zum Google Konzern gehört, ist diese Empfehlung etwas, das Ihnen Ärger von Ihrem kirchlichen Datenschutzbeauftragten einhandeln könnte.

Aber die Friedensbewegung hatte bestimmt auch nicht den Segen des Militär-Beauftragten – und auch das „Fringsen“ (vom Kardinal erlaubter Mundraub in Krisenzeiten) war de jure sicherlich auch nicht einwandfrei…

Gottesdienst streamen: Die Möglichkeiten (von einfach bis professionell)

Stream einrichten

Ein Stream lässt sich sehr sehr leicht via YouTube einrichten. Dafür müssen Sie lediglich einen Account besitzen, dann die Prozedur einmal durchführen, um sich freischalten zu lassen. Nach 24 Stunden können Sie Ihren ersten Live-Stream planen und den Link streuen.

Crash-Kurs: In wenigen Klicks zum Live-Stream-Date

Screenshot Livestream einrichten youtube
Klicken Sie oben auf das Kamerasymbol mit dem „Plus“
Screenshot Livestream einrichten youtube klicken auf Livestream starten
Klicken Sie dann auf „Livestream starten“
Sie sehen folgendes Fenster. Hier können Sie den Titel eingeben, die Zugangsmöglichkeit beschränken und den Zeitraum des Streams starten
Wichtig: klicken Sie auf „Später planen“, geben Sie dann Datum und Uhrzeit ein, und klicken Sie dann auf „Weiter“

Nach ein paar Einstellungen erhalten Sie einen Link, welchen Sie dann teilen können, damit Leute wissen, wie sie teilnehmen können.

Ausführliche Anleitung (VIDEO)

Dieses Video zeigt Ihnen einfach und unkompliziert, wie Sie sehr schnell einen Livestream einrichten, um zeitnah den Gottesdienst streamen zu können.

Hier übrigens der ausführliche Guide von Google, wie man auf YouTube livestreamen kann.

Live-Stream ankündigen

Kommunizieren Sie den Link, welchen Sie von YouTube erhalten haben, auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen. Ruhig auch mehrfach.

Sie können diesen gerne auch über die Presse spielen. Was schadet es, wenn mehr Leute von Ihrem Angebot erfahren?

Setzen Sie am sinnvollsten auf WhatsApp. Dessen Reichweite reicht schlicht und ergreifend sogar weiter als das Festnetz. Man kann bspw. eine eigene WhatsApp-Gruppe gründen und alle bekannten Gemeindemitglieder hinzufügen. Zudem weitere Multiplikatoren als Admins einsetzen, damit diese auch noch weitere Personen hinzufügen können.

So haben Sie eine Gruppe beisammen, der Sie immer den aktuellen Link mitteilen können. Und/oder auf aufgezeichnete Andachten hinweisen…

Liturgie: Ein besonderer Ablauf für besondere Zeiten?

Auch diese Empfehlung ist kirchenjuristisch alles andere als sauber: Überlegen Sie sich, ob Sie vielleicht den Gottesdienstablauf umgestalten.

Also vielleicht das Ganze mehr in Richtung „um gottesdienstliche Elemente ergänzte Live-Andacht“ entwickeln. Klar ist, sowas wie die Eucharistie kann man virtuell nicht feiern. Auch Wechselgesänge und -Sprüche funktionieren nicht.

Also braucht ein gestreamter „Gottesdienst“ auch einen streamtauglichen Ablauf.

Aber als „Kirchenprofi“ dürften Sie auch hier ja der Profi sein, um neue Zwischenwege zu finden.

Zudem sollte die Zahl der Beteiligten einerseits so gering wie möglich gehalten werden – der Grad der Abwechslung aber auch so ausgeprägt wie nötig. Vielleicht ist dies eine vertretbare Konstellation:

  • Priester, PfarrerIn, DiakonIn
  • Musiker (für Vortragsmusik) – im Idealfall KantorIn, weil somit Arbeit statt privates Treffen
  • LektorIn – im Idealfall jemand, der/die sonst noch für die Gemeinde arbeitet)
  • (evtl. Videopersonal)

Alle natürlich mit mindestens 1,5 Meter Abstand…

Gottesdienst filmen: Schlichtes & einfaches Setup

Zugegeben: Ganz so einfach ist es dann doch aktuell nicht, aus YouTube heraus zu streamen. Will man dies einfach via Smartphone und App machen, braucht man 1000 Follower um einen Livestream einrichten zu können.

Da nur wenige Kirchengemeinden bereits darauf verweisen können dürften, werden als Minimal-Setup benötigt:

  • Laptop
  • Internetverbindung (LAN toppt WLAN)
  • Kamera, welche über USB an den Laptop liefert. (zur Not tut es auch eine/die Webcam…)
  • Mikrofon (bei manchen Webcams und Laptops integriert, lässt sich aber auch günstig kaufen und via USB verbinden)

Gottesdienst filmen: Setup für mehr Abwechslung

Natürlich ist ein via Webcam gefilmter Gottesdienst nicht das Maß aller Dinge. Aber um spontan ein erstes Mal mit seiner Gemeinde ortsunabhängig Gottesdienst zu feiern reicht es alle Mal. Better done than perfect.

Sollte man aber höhere Qualitätsansprüche anlegen oder das Streaming wiederholen, sind das die zwei wichtigsten Stellschrauben:

  • Bildqualität
  • Abwechslung im Bild

Um dies zu erreichen braucht man weiteres Equipment, nämlich vor allem Software und/oder eine zweite Kamera. (Die Software kann auch zwischen den Streams zweier Kameras hin- und herswitchen, wie ein digitales Mischpult. Doch das ist dann vielleicht schon zu komplex…)

  • Laptop
  • Internetverbindung (LAN toppt WLAN)
  • externe Kamera, welche über USB an den Laptop liefert (Evtl. Smartphone oder vorhandene Digitalkamera)
  • Stativ (für Kamera)
  • externes Mikrofon (Zugang zu Laptop via USB)
  • Powerpoint-Präsentation mit gewünschten „Einblendungen“ (Text-Folien, Bilder etc.)
  • Eine Software, welche das Wechseln von Bildern erlaubt (kostenlose Variante: OBS)

Und so fügt man dieses Setup zu einem besseren und abwechslungsreicheren Stream zusammen

Gottesdienst filmen: Professionelles Setup

  • Laptop
  • Internetverbindung (LAN toppt WLAN)
  • mindestens zwei externe Kamera, welche über USB an den Laptop liefert (am besten Digitalkameras)
  • Stative (für Kameras)
  • externes Mikrofon (Zugang zu Laptop via USB)
  • Powerpoint-Präsentation mit gewünschten „Einblendungen“ (Text-Folien, Bilder etc.)
  • Eine Software, welche das Wechseln von Bildern erlaubt (kostenlose Variante: OBS)

Tipps & Tricks

  • Üben Sie den Ablauf im Vorfeld. Vielleicht mit einem Test-Gottesdienst in einem eigenen Test-Stream mit Test-Zuschauern. Erst wenn Sie genügend Sicherheit im Umgang haben, sollten Sie an die Öffentlichkeit gehen. Wenig ist ärgerlicher, als ein groß angekündigter Livestream, welcher sich dann aber nicht umsetzen lässt.
  • Es könnte sinnvoll sein, vielleicht nicht alle Gottesdienste auf Sonntag 10 Uhr terminieren. So verhindert man, dass YouTube zu diesem Zeitpunkt vielleicht doch an seine Kapazitätsgrenzen stößt

Live-Streaming von Gottesdiensten: Rechtliche Fragen

Urheberrecht

Werden während des Livestream Fotos oder Videos gezeigt, gelten hier die gängigen Urheberrechte. Also in Kurz: nur gemeinfreie oder eigenproduzierte Medien verwenden. (Wie Sie gute gemeinfreie Bilder finden, erläutern wir übrigens hier)

Rundfunklizenz

Durch juristische Änderungen der letzten jähre (Stichwort: Influencer), gelten engere gesetzliche Vorgaben zum Thema Rundfunklizenz. Ein Grund zum sorgen ist dies jedoch nicht, wie die Baptisten erläutern:

Eine Rundfunklizenz benötigen Gemeinden, die ihre Gottesdienste streamen, übrigens nicht, solange zwei Punkte berücksichtigt werden: 1. Der Zeitraum für das Streaming ist nicht länger als drei Monate. 2. Es werden über den Stream nicht regelmäßig 20.000 oder mehr Personen erreicht.

baptisten.de

GEMA

In wie weit das Streamen von Gottesdiensten mit der GEMA in Berührung führt, hängt zu erst einmal davon ab, ob der jeweilige Verband/ die jeweilige Kirche eine Vereinbarung mit der GEMA geschlossen hat.

Ansonsten zeigt sich die GEMA gerade kulant…

Katholisch.de fasst die aktuelle Lage wie folgt zusammen

In Gottesdiensten gilt ein Pauschalvertrag für die Musik: Die Komponisten müssen nicht eigens bezahlt werden. Doch Livestreams sind dabei eigentlich nicht abgedeckt – die Verwertungsgesellschaft GEMA zeigt sich nun während der Corona-Krise kulant.

katholisch.de

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